September 2009, L'Aquila

Einsatz im Erdbebengebiet

Zwei Helfer aus dem Märksichen Kreis bei L'Aquila im Einsatz

Am 29. Juli brachen zwei Helfer der Malteser aus dem Märkischen Kreis in einen Auslandseinsatz in die Erdbebenregion in den Abruzzen auf. In dem Notfall-Camp Poggio die Roio am Rand von L'Aquila leisten sie vor allem technische Hilfe.

Helga Dörk aus Herscheid und Marc Schuler aus Kierspe sind Teil eines sechsköpfigen Malteser-Teams, das von CISOM, dem Hilfskorps der italienischen Malteser, angefordert wurde und durch einen Helfer der schweizer Malteser ergänzt wird. Sie leisten Unterstützung in der von CISOM betriebenen Zeltstadt, in der noch immer 380 Menschen leben, die durch das Erdbeben im April ihr Hab und Gut verloren haben.

"Wir bauen beispielsweise Beschattungen für die Zelte der Bewohner", erklärt Marc Schuler, Leiter des aus der Diözese Essen entsandten Teams deutscher Malteser. Bei durchweg hohen Temperaturen und der starken Sonneneinstrahlung sei der Aufenthalt in den Zelten tagsüber nahezu unmöglich, das Aufspannen großer Netze über den Zelthäuten schaffe daher spürbare Linderung für die Bewohner.

Darüber hinaus wirken die Teammitglieder beim allgemeinen Betrieb des Camps mit, beispielsweise bei der Einlasskontrolle und Nachtwache, der Logistik und Registrierung im Verpflegungsbereich und dem Betrieb eines medizinischen Zeltes mit. Weitere technische Aufgaben bestehen in der Reparatur von Kabelbrücken und der Kontrolle elektrischer Anlagen.

Sehr bewegt seien die Helfer des deutschen Teams aufgrund der herzlichen Aufnahme durch die Bewohner im Camp. "Wir erfahren hier sehr viel Gastfreundschaft, wie sie von Menschen, die teils ihren gesamten Besitz verloren haben, nicht erwartet werden kann", erklärt Schuler. So seien die deutschen Helfer in den vergangenen Tagen zu dem für die drei im Camp vertretenen Gemeinden Roios sehr bedeutenden Brotfest, dem "Festa del pane", eingeladen worden und haben an einer feierlichen Prozession teilgenommen. Außerdem durften sie an einer silbernen Hochzeit und einer Verlobungsfeier teilnehmen. "Es berührt uns sehr zu sehen, wie sehr die Bewohner bemüht sind, einem normalen Leben nachzugehen und auch unter den widrigen Umständen eines Notfallcamps kulturelle Veranstaltungen zu organisieren", berichtet Helga Dörk. "Bei all der Trauer und Verzweiflung, die wir immer wieder wahrnehmen merken wir doch deutlich, dass das Leben auch hier im Camp weitergeht." Dazu gehören allerdings auch schwierige Momente, so gab es in der Nacht vom 03. auf den 04. August ein vergleichsweise schweres Nachbeben. "Ich habe zu dieser Zeit im Bürozelt gesessen, als plötzlich begleitet von einem tiefen Grollen die Stühle kräftig anfingen zu wackeln und die Schlüssel am Brett klimperten", erinnert sich Schuler. "In diesen Momenten wird schlagartig klar, dass die Bewohner noch immer sehr verängstigt und sich nicht sicher sind, ob sie den Winter beispielsweise in einem der Holzhäuser verbringen können, die derzeit an vielen Stellen der Region gebaut werden.

Ein eigenes Bild vom Ausmaß des großen Erdbebens im April konnten sich die Teammitglieder am vergangenen Montag machen, als der geschäftsführende Präsident des Malteser Hilfsdienstes, Johannes Freiherr Heeremann, nach L'Aquila kam. Bei einer gemeinsamen Besichtigung der Gemeinde Onna machen, in der 50 von 200 Bewohnern ums Leben kamen, darunter eine große Zahl von Kindern. "Onna ist praktisch völlig zerstört, lediglich drei Gebäude sind noch intakt", erklärt Dörk. "Wenn man inmitten der Trümmerberge zum Trocknen aufgehängte Wäsche, Kochgeschirr und Kinderwagen sieht, denkt man, das Leben sei hier mit einer Stoppuhr zum Stillstand gebracht worden."

Ein weiteres einschneidendes Erlebnis für Dörk und Schuler, und zugleich ein Zeichen für die Bedeutung dieses internationalen Hilfseinsatzes, war eine Trauerfeier am vergangenen Donnerstag, die für einen am Mittwoch an Krebs verstorbenen Camp-Bewohner ausgerichtet wurde. Wie bei einigen Anlässen zuvor wurden wir eingeladen, an der Zeremonie teilzunehmen. Die Familie bat uns sogar, den Sarg zu tragen", so Schuler. "Das war sicherlich eines der intensivsten Erlebnisse dieses Auslandseinsatzes."

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